Das Steinkauz-Projekt

Unser Steinkauz-Projekt dient dazu, die Brutbiologie des Steinkauzes zu erforschen. Auf diese Weise werden Strategien und konkrete Maßnahmen zum Schutz dieser in den 1980er Jahren im Landkreis Ludwigsburg fast ausgestorbenen (1988: acht nachgewiesene Brutpaare!) Eulenart entwickelt und in der Praxis umgesetzt. Einen anschaulichen Eindruck erhalten Sie in dem Video, das unser Sponsor Ensinger für uns vor einigen Jahren produziert hat.

Steinkauz_Beringung

Methoden der Datenerhebung

Eine der wichtigsten Methoden ist die wissenschaftliche Beringung von Jungvögeln. Dieses geschieht in enger Kooperation mit der Vogelwarte Radolfzell und selbstverständlich mit der notwendigen Genehmigung der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Ludwigsburg. Wiederfunde der Ringe geben beispielsweise Rückschlüsse darauf, wie sich eine Population ausbreitet oder wie geografische Lücken zwischen bestehenden Restpopulationen geschlossen werden können. Zu Wiederfunden kommt es entweder beim zufälligen Fund toter Tiere oder beim gezielten Wiederfang von Altvögeln. Auch andere Eigenschaften wie Partner- oder Reviertreue oder auch maximale und durchschnittliche Lebensdauer von Steinkäuzen kann mit Hilfe von Ringfunden ermittelt werden. Die wissenschaftliche Beringung mit extrem leichten Aluminiumringen bedeutet für den Vogel bei sachgemäßer Anwendung keinerlei Beeinträchtigung. Das belegt nicht nur unsere über 30-jährige Arbeit sondern auch die Erfahrungen der Vogelwarte Radolfzell und anderer Beringungszentralen.

Neben der Beringung bringen Sichtbeobachtungen oder die Auswertung von Foto- und Videoaufnahmen, z.B. mit Hilfe von Wildkameras, die auch nachts Aufnahmen liefern, wertvolle Erkenntnisse zum Verhalten der Steinkäuze. Für bestimmte brutbiologische Fragestellungen ist die Geschlechtsbestimmung per Federanalyse von Relevanz. Von immer größerer Bedeutung wird die Radiotelemetrie: Den Vögeln werden leichte Sender angebracht. Diese ermöglichen es, die Wanderungsbewegungen der Tiere mit satellitengestützer Technik nachzuvollziehen.

Verbreitung des Steinkauzes im Untersuchungsgebiet

Um Schutzmaßnahmen definieren zu können, muss die Verbreitung der Tiere ermittelt und dokumentiert werden. Dazu werden mit topografischen Karten, Flurkarten, Google Earth und GPS die Aufenthalts- und Nistgebiete der Tiere untersucht. Wir betreuen im Landkreis Ludwigsburg und angrenzenden Gebieten mehr als 700 künstliche Nisthilfen (Brutröhren). Auf diese Weise möchten wir den Rückgang natürlicher Brutmöglichkeiten auszugleichen.

Schaffung neuer Brutmöglichkeiten

Anhand der Bestandserfassungen können gezielte Maßnahmen getroffen werden, z.B. die Schaffung von Trittsteinbiotopen, um Inselpopulationen entgegenzuwirken (Biotopverbund). Die nicht besiedelten Bereiche werden mit Brutröhren (Nisthilfen) erschlossen. Brutbäume mit Naturhöhlen werden durch Patenschaften geschützt. Die von uns aktuell verwendeten Nisthilfen sind eine Weiterentwicklung der 1970 von Ludwig Schwarzenberg eingeführten „Schwarzenberg-Röhre“. Auf diesem bewährten Konzept basieren fast alle in Deutschland eingesetzten Steinkauzröhren.

Steinkauzröhre

Wir haben durch praktische Erfahrungen sowie durch Foto- und Videoüberwachung einzelner Kästen Erkenntnisse gewonnen, mit deren Hilfe wir diese Art der Brutröhren noch weiter verbessern konnten: Da sich am Boden einer runden Röhre unter bestimmten Bedingungen Staunässe bilden und zu einem für die Jungvögel schädlichen Kloakenmilieu führen kann, haben unsere Nisthilfen einen geraden Boden. Hierdurch verteilt sich Feuchtigkeit gleichmäßiger im Substrat, was die Gefahr von Staunässe verringert. Der Dachbereich sollte unserer Erfahrung nach allerdings abgerundet sein: Oft picken Spechte bei der Nahrungssuche Löcher in die Dachpappe – bei einer geraden Oberfläche sammelt sich Wasser an diesen Stellen und dringt in den Kasten ein. Bei einem nach oben abgerundeten Dach fließt der Regen direkt außen ab und dringt nicht so schnell in Schwachstellen ein. Ein wichtiges Kriterium bei der Konstruktion von Steinkauzkästen ist der Schutz vor Prädatoren, besonders dem Steinmarder. Durch eine Zwischenwand im Eingangsbereich der Nisthilfe entsteht eine Engstelle, die es dem Marder erschwert, in den Kasten einzudringen. Der Nachteil ist, dass Niströhren ohne Marderschutz vom Steinkauz bereitwilliger angenommen werden als die geschützten Röhren. Und selbst eine Mardersicherung bringt keinen hundertprozentigen Schutz, da besonders schlanke Tiere dennoch ins Innere des Kastens gelangen. Trotzdem überwiegt laut unserer Erkenntnisse der Nutzen des Marderschutzes seine Nachteile – zumindest in unserer Region mit einer offenbar hohen Dichte an Steinmardern. Eine gewissen weiteren Schutz bietet der überdachte Vorbau unserer Röhren. Dieser erschwert es Greifvögeln (z.B. Mäusebussard, Habicht), mit ihren Fängen in den Eingangsbereich der Höhle hineinzulangen und Jungvögel hinauszuzerren. Letztendlich ist festzuhalten, dass es auch und gerade unter natürlichen Bedingungen nicht die optimale Bruthöhle geben kann. Dennoch ist es unser Anliegen, einer bedrohten Art wie dem Steinkauz Nisthilfen anzubieten, welche einen möglichst hohen Bruterfolg begünstigen.

Brutbiologische Daten und Bestandsentwicklung

Die erhobenen Daten (Vorkommen, Bestandsentwicklung) geben Hinweise für notwendige Schutzmaßnahmen auf dem jeweiligen Gemeindegebiet. Um detaillierte und verlässliche Ergebnisse zu erhalten, ist eine planmäßige Beringung und anschließende Beobachtung der markierten Steinkäuze notwendig (Kontrollfangdaten). Eine aktuelle Dokumentation der brutbiologischen Daten und der Bestandsentwicklung finden Sie hier.

Auch wir können nicht alle Steinkauzreviere in unserem Untersuchungsgebiet kennen. Falls Sie selbst mal einen Steinkauz im Landkreis Ludwigsburg sehen, ist das für uns von großem Interesse. Wir bitten Sie in diesem Fall, uns Ihre Beobachtung mitzuteilen. Auch Funde von toten Steinkäuzen sind für uns wichtig – und zwar in ganz besonderem Maße, wenn es sich um einen beringten Vogel handelt.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, Ringfunde von Wildvögeln in ganz Europa über die zentrale Website www.ring.ac mit Angabe von Fundort und Datum an die zuständigen Vogelwarten zu übermitteln. Diese sorgen neben der Erfassung und Auswertung der übermittelten Daten dafür, dass nicht nur der Beringer über den Fund des von ihm markierten Vogels unterrichtet wird: Auch der Finder erhält Rückmeldung, wann und wo der betreffende Vogel beringt worden ist.